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edv-nachrichten.de   Montag, 11.12.2017 

Nach dem Ende von Windows - wie geht es weiter?

Im Juli 2015, mittlerweile also über zwei Jahre her, markierte das Erscheinen von "Windows 10" das Ende bisher gekannter, mehr oder weniger normal nutzbarer Windows-Versionen. Wie sieht die Zukunft aus?

Windows. Neben dem englischen Begriff für "Fenster" (im Plural) der Name einer graphischen Oberfläche und eines Betriebssystems mit graphischer Oberfläche des US-Herstellers Microsoft.

Schauen wir uns kurz die Vergangenheit an. In den 1980ern versuchte Microsoft, das System DOS mit einer graphischen Oberfläche zu versehen. Der Produktname: Windows. Erfolgreich wurde erst Windows 3.x (separat zu DOS verkauft), gefolgt von Windows 4.x (zusammen mit DOS im Paket verkauft, Produktbezeichnungen Windows 95/98/ME).

Später, als man sich aus der mit IBM betriebenen OS/2-Entwicklung zurückzog, präsentierte man mit Hilfe von ehemaligen DEC-Entwicklern ein neues System, welches aber die bereits bekannte graphische Oberfläche nutzte. Man behielt auch den Produktnamen Windows bei und ergänzte schlicht ein "neue Technik", um auf die andere technische Basis zu verweisen. Die erste Generation wurde allerdings gleich einmal versionstechnisch auf die seinerzeit aktuelle Version der GUI für DOS gehievt, daher war die Erstausgabe von Windows NT die Version 3.1 - nicht etwa 1.0, wie man hätte erwarten können.

Vier Generationen lang bestand dieses System. Nach NT 3.x und NT 4.x entschied man sich jedoch für die Verwendung von separaten Verkaufsnamen. So erschien Windows NT 5.0 im Verkauf als "Windows 2000". Der Nachfolger der Client-Version, Windows NT 5.1, wurde als "Windows XP" verkauft. Diese Version richtet sich erstmals auch an Privatanwender und läutet das endgültige Ende der DOS-basierten Schiene ein. Weiterhin führte diese Version die Produktaktivierung ein. Gewissermaßen ein erstes Alarmzeichen.

Die vierte und letzte Generation erschien mit Windows NT 6.0 im Januar 2007, in der Client-Variante verkauft als "Windows Vista". Die leicht überarbeitete Version - Windows NT 6.1 - wurde als "Windows 7" verkauft, auch wenn es sich weiterhin um einen Vertreter der "NT 6.x"-Linie, d.h. der vierten Generation - handelte. Auch Windows NT 6.2 und Windows NT 6.3 mit den Client-Verkaufsnamen "Windows 8" und "Windows 8.1" sind bzw. waren technisch Vertreter dieser Generation.

Die Nutzbarkeit dieser Versionen ging mit Basteleien an der graphischen Oberfläche jedoch immer weiter zurück. Konnte man den optischen Unsinn in Windows "XP" und "Vista" noch abschalten und zu der "klassischen" (mit Windows [NT] 4.x eingeführten) Windows-GUI zurückkehren, ging es mit den Nachfolgeversionen Schritt für Schritt weniger. In Windows "7" gab es zwar noch die klassische Oberfläche, jedoch wurde das Startmenü verbastelt und die ersten Programme mit Ribbons verunstaltet. Windows "8" und "8.1" setzten dann dem Unsinn die Krone auf, indem sie Bürotätigkeiten komplett hintenanstellten, um einer vermeintlichen Touchbedienung den Vorrang zu geben.

Neben der weiter fragwürdigen Oberfläche mit ergonomischen Mängeln, fehlender Durchgängigkeit und reduzierten Konfigurationsoptionen brachte das im Juli 2015 präsentierte sogenannte "Windows 10" einen weiteren Punkt - neben erweiterter Spionagetätigkeit -, der das Ende normaler, für Bürotätigkeiten halbwegs geeigneter Windows-Versionen bestätigte: "Windows 10" wird als Dienstleistung verkauft - Stichwort "as a service" - oder anders ausgedrückt: Dieses System modifiziert sich bei Bedarf selbst. Den Bedarf legt natürlich nicht der Nutzer fest, sondern das System bzw. dessen Hersteller Microsoft.

Damit war klar, daß das technisch zwar immer noch der "NT 6.x"-Linie zugehörige System kein klassischer Vertreter mehr war, sondern definitiv das Ende von Windows signalisierte. Erste Prototypen meldeten sich noch als Windows NT 6.4, die Marketingabteilung (oder wer auch immer im Hause Microsoft) änderte diese Bezeichnung allerdings in NT 10.0, passend zum Verkaufsnamen. Bisher konnten mehrere kleinere und größere Zwangsmodifikationen des Systems beobachtet werden. Laut Aussage von Microsoft soll "Windows 10" zudem die letzte Windows-Version sein. Wobei man hier aufgrund der fehlenden Stabilität des Systems (aktuell vorgesehen sind zwei große Änderungen im Jahr) schwierig von "einer" Version sprechen kann. Eine sich selbst immer mal wieder gern verändernde Version, ja... aber wirklich ein verläßlicher Unterbau für die eigene Arbeit? Nein.

Wie kann es nun nach dem Ende von Windows weitergehen?

Zum einen laufen ältere Versionen von Windows selbst ja noch, auch wenn diese vom Hersteller nicht mehr gepflegt werden oder Patche - aus irgendwelchen merkwürdigen Gründen - plötzlich nicht mehr gefunden oder - wenn gefunden - nicht mehr installiert werden, da sich der Updatemechanismus die Karten legt oder anderes tut, bloß nicht seinen Job. Im Netz kursieren einige mehr oder weniger vertrauenswürdige Hinweise zu Maßnahmen, die dieses Problem beheben sollen... jedoch ist die Vertrauenswürdigkeit des Herstellers irgendwie dahin.

Bleibt also der Umstieg auf andere Systeme.

ReactOS, ein seit dem Jahr 1996 entwickeltes Betriebssystem, welches vollständige Binärkompatibilität zu Windows aufweisen soll, ist leider bisher im Alpha-Stadium verblieben, wenn es sich auch z.B. in einer virtuellen Maschine problemlos installieren läßt. Im August 2017 war Version 0.4.5 aktuell. Die weitere Entwicklung dieses System sollte man verfolgen und ggf. auch unterstützen.

Linux, der (mehr oder weniger umgangssprachliche) Oberbegriff für auf dem Linux-Kernel basierende, in der Regel freie, Betriebssysteme, steht für eine Vielzahl an Varianten von durchaus ausgereiften und weit verbreiteten Betriebssystemen. Verschiedene graphische Oberflächen stehen zur Verfügung. Als Beispiel sei hier Mate genannt, welches sich auch so konfiguieren läßt, daß es durchaus Ähnlichkeiten zur "klassischen" Variante des Windows-Desktops aufweist. Als Distributionsbeispiel sei hier Ubuntu Mate genannt, im August 2017 aktuelle Version mit Langzeitunterstützung (long-term support, LTS) war Ubuntu Mate 16.04 LTS.

Natürlich laufen Windows-Anwendungen nicht auf anderen Betriebssystemen. Jedoch gibt es Anwendungen, die für mehrere Betriebssysteme zur Verfügung stehen (z.B. LibreOffice) und im Falle von Linux auch Wine, welches eine Windows-kompatible Laufzeitumgebung für POSIX-kompatible Betriebssysteme darstellt. Dies bedeutet, mit Hilfe von Wine können Windows-Programme unter Linux laufen. Der Haken hierbei: Ob die eigene gewünschte Applikation im benötigten Umfang läuft, sollte man selbst ausprobieren. Eine Hilfestellung mag direkt die Website des Wine-Projektes geben. (Als Beispiel wird berichtet, daß das beliebte E-Mail-Programm "Pegasus Mail" mittels Wine auch unter Linux läuft, obwohl es eigentlich für Windows entwickelt wurde).

Daneben gibt es - durchaus auch freie - Unix-Varianten, wie etwa FreeBSD, oder proprietäre Systeme, wie etwa macOS.

Im Enterprise-Bereich gibt es überdies Systeme wie etwa OpenVMS, die aber wohl weniger für Privat- oder SOHO-Anwender ausgelegt sind - allein schon aufgrund der Kosten.

Und natürlich bleibt es auch in Zukunft eine Option, ältere Betriebssysteme bzw. -versionen - und damit eben auch alte Windowsversionen - in einer virtuellen Maschine (VM) laufen zu lassen, etwa mit VirtualBox, welches etwa Varianten von "Windows NT" in einer VM unter Windows, Linux, MacOS oder Solaris laufen lassen kann.

Damit kann in Kombination mit einem anderen Betriebssystem eine Umstellung auch Schritt für Schritt oder sogar auf längere Zeit mehrgleisig durchgeführt werden.

Die Zukunft findet also auch ohne Windows statt... ;-)

Verweise:
ReactOS
Ubuntu-Varianten
Ubuntu Mate
Wine
VirtualBox

Fr. 04.08.2017 09:56, aktualisiert Fr. 04.08.2017 10:21
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